NaNoWriMo 2016: Fazit Woche 1

Ursprünglich hatte ich geplant jeden Tag einen kleinen Rückblick zu schreiben, aber mal ehrlich: So abwechslungsreich waren die letzten Tage nicht. Mein Leben hat sich im November auf das Wesentliche reduziert. Ich stehe auf, gehe zur Arbeit, dann schreibe ich. Soziale Kontakte waren noch mal was?

Trotzdem ist so ein Wochenrückblick gar nicht schlecht, um mal Revue passieren zu lassen, womit man seine Zeit eigentlich verbracht hat. Was habe ich der ersten NaNoWriMo Woche über mich und mein Schreiben gelernt?

1. Schreibe wirklich jeden Tag

Im Berufsalltag, ohne den NaNoWriMo im Nacken, lasse ich das hin und wieder schleifen. Ja, ich weiß, Schande auf mein Haupt. Manchmal kann ich mich einfach nicht mehr aufraffen. Ich merke aber, wie gut es mir tut jeden Tag an meinem Manuskript zu sitzen und an der Geschichte zu feilen. Das möchte ich nach diesem Monat auf jeden Fall beibehalten. Deshalb werde ich meine Schreibzeit in Zukunft noch besser planen. Gerade in der Weihnachtszeit wird das sicher eine Herausforderung.

2. Lass dich nicht unter Druck setzen

Das Gemeinschaftsgefühl beim NaNoWriMo finde ich eigentlich besonders motivierend. Sobald die ersten Schreiberlinge mit einem phänomenalen Wordcount an einem vorbeiziehen, kann das aber auch schon mal ein echter Motivationskiller sein. Die meisten Autoren sind ja doch recht empfänglich für Selbstzweifel. Ich bin es auf jeden Fall. Da dreht sich dann schnell das Gedankenkarussel im Kopf: „Bin ich zu langsam?“ „Nehme ich mir zu wenig Zeit?“ „Muss ich mehr schaffen?“ — die Liste lässt sich beliebig fortsetzen, je nachdem, wo die Zweifel am größten sind.

Kommt dir bekannt vor? Sollte es aber nicht. Dieses Denken ist total blödsinnig und hindert dich nur am Schreiben. Jedes Mal, wenn ich mich dabei erwische, möchte ich mir am liebsten mit der Tastatur eins überziehen. Sofern du nicht mit irgendjemandem spaßeshalber um die Wette schreibst, kann es dir völlig egal sein wie viele Wörter XYZ täglich in die Tasten haut. Wichtig ist nur, dass du schreibst.

3. Plane Pausen ein

Wenn ich mich abends an den Schreibtisch setze, habe ich schon neun Stunden gearbeitet. Unsere Katzen, Krawumms und Krakeelo, wollen dann natürlich gekuschelt werden und auch mein Lieblingsmensch möchte noch etwas Zeit mit mir verbringen.

Da bleibt naturgemäß wenig Schreibzeit. Während des NaNoWriMos herrscht zwar eine Art Ausnahmezustand bei uns, mir tut es jedoch gut, wenn ich mich zwischendurch zu meinen Lieben aufs Sofa kuschele und durchatme. So habe ich den Kopf wieder frei und kann mich auf die nächste Szene wieder voll konzentrieren.

Es gibt außerdem auch im November Tage, an denen ich mich einfach nicht gut fühle. Für die habe ich eine einfache Regel: Ich setze mich 20 Minuten ans Manuskript. Wenn ich dann nicht „drin“ bin, mache ich etwas anderes. Manchmal packt mich dann der Ehrgeiz und aus den 20 Minuten werden 2 Stunden. Manchmal nicht. Ein Defizit gleiche ich an anderen Tagen wieder aus.

Da ich berufstätig bin, bin ich am Wochenende beispielsweise immer deutlich produktiver als unter der Woche. Einfach, weil ich morgens erholt aus dem Bett krabbele. Was für mich auch wichtig ist: Genügend Schlaf. Keine Ahnung wie andere Leute mit vier Stunden auskommen, aber ich muss die Nacht durchschlafen. Sonst bin ich am nächsten Tag zu nichts zu gebrauchen. Und ich könnte vermutlich meine Handgelenke entsorgen. Also — auch beim NaNoWriMo sind kleine Pausen erlaubt.

4. Setze den inneren Kritiker vor die Tür

Ich schreibe nicht nur einen ersten Entwurf, ich schreibe ihn unheimlich schnell. Das, was ich im November schreibe, ist prädestiniert dafür einem Rotstift zum Opfer zu fallen. Sofern du also nicht total virtuos bist oder einen Haufen Erfahrung hast, sitzt du am Ende des NaNoWriMos vermutlich vor einem Haufen… Mist. Und stolperst beim Lesen über Formulierungen, bei denen du dein November-Ich kräftig schütteln willst.

Deshalb ist es ja der erste Entwurf, nicht die endgültige Fassung. Beim NaNoWriMo gilt: Unbedingt nach vorne schauen und nicht die Hälfte des Romans löschen, weil man mit mehr Zeit vielleicht die perfekte Formulierung zustande gebracht hätte.

Freu dich über das, was du geschafft hast. Ich habe eine ziemlich hartnäckige innere Kritikerin, die mir nicht nur beim Schreiben gerne Steine in den Weg legt. Im November setze ich sie vor die Tür. Wenn ich beim Schreiben merke, dass mir eine bestimmte Formulierung nicht gefällt, markiere ich sie für die Überarbeitung — fertig.

5. Tausch Dich aus

Wenn ich den ganzen Tag nur mit meinen Figuren verbringe, werde ich bescheuert. Ich kann glücklicherweise behaupten, dass ich meine Welt und auch die von mir erschaffenen Charaktere liebe. Auch die Antagonisten (besonders die Antagonisten!). Trotzdem brauche ich zwischendurch den Austausch mit realen Menschen, vorzugsweise anderen Autoren.

Und wenn ich mir von ihnen nur bestätigen lasse, dass ich nicht verrückt bin und alle anderen auch Suchworte bei Google eingeben, für die man wahrscheinlich auf irgendeiner Fahndungsliste landet. Autoren sind eben schon irgendwie speziell. NaNoWriMo Teilnehmer sind außerdem auch noch größenwahnsinnig. Und ich liebe es.

Mein Fazit für Woche 1

Ich bin langsam, aber es läuft. Weit über die 50.000 Wörter werde ich wohl nicht hinauskommen. Im Gegensatz zum letzten Jahr, in dem ich unbedingt gewinnen wollte, bin ich aber auch deutlich entspannter. Jeden Tag zu schreiben, ist immer noch besser als überhaupt nicht zu schreiben. Meine Charaktere machen alle noch, was sie sollen.

Ich habe niemanden dazu erfunden oder gestrichen. Es wird fleißig gestorben und gelitten. Bisher läuft also alles nach Plan. Ich habe vorher sehr leidenschaftlich geplottet, daher bin ich nicht wirklich überrascht. Trotzdem bin ich froh, dass sich alles zusammenfügt wie es soll. Insgesamt bin ich mit der ersten Woche zufrieden.

NaNoWriMo 2016: Woche 1  in Zahlen:

  • 11.889 Wörter
  • 75.345 Zeichen
  • >25 Tassen Tee
  • 2,5 Stück Kuchen
  • ? > Kekse

Ich erspare uns (vor allem mir) jetzt die Umrechnung in Kalorien. Hab beim Tippen bestimmt auch ganz viele verbrannt.

Bis nächste Woche!

Lily

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