NaNoWriMo: Wie Du deine Ziele erreichst

Hand aufs Herz: Letztes Jahr hätte ich im November so manches Mal am liebsten mein MacBook in die Ecke gepfeffert und mich ins Bett verkrochen. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die nach acht Stunden PC-Arbeit fröhlich an den heimischen Arbeitsplatz hüpfen und knapp zweitausend Wörter schreiben. Klar, das kommt vor — allerdings nicht immer und ganz sicher nicht dreißig Tage am Stück. Wie packt man es also trotzdem seine Ziele zu erreichen?

Motivation allein reicht nicht

Jetzt kann ich mit „Du braucht einfach nur genug Motivation!“ um die Ecke kommen, aber jeder, der schon mal eine Hausarbeit schreiben musste, weiß: Motivation kann man nicht erzwingen. Entweder man ist motiviert oder man ist unmotiviert. Wenn ich bereits acht Stunden gearbeitet habe, kriecht meine Motivation gelegentlich irgendwo unter meinem Bett herum und wimmert leise. Da kann ich in den Spiegel grinsen so viel ich will, irgendwann ist einfach Schluss.

Falls es dir auch so geht, brauchst du vor allem zwei Dinge: Disziplin und erreichbare Ziele. Es ist eine weit verbreitete und ausgesprochen romantische Annahme, dass jeder Autor ausnahmslos hochmotiviert und freudestrahlend an seinem Manuskript arbeitet.

Das macht natürlich einen viel besseren Eindruck und lässt sich gut vermarkten — die Realität, meine Realität zumindest, sieht oft anders aus. Ich liebe mein Projekt, aber ich habe nicht immer unbändige Lust zu schreiben, ich freue mich ganz sicher nicht auf jede Szene und es gibt Kapitel, die ich regelrecht hasse. Trotzdem habe ich dieses Jahr neben Alltag, Beziehung und Vollzeitjob ein Buch mit 171.000 Wörtern geschrieben. Und wenn ich das schaffe, schaffst du das auch.

Faktoren, die dich scheitern lassen

  • Schlechte oder keine Vorbereitung

Du willst 50.000 Wörter in 30 Tagen schreiben und bist nicht vorbereitet? Herzlichen Glückwunsch. Ich wage mal die Prognose, dass du an manchen Tagen fluchen wirst, weil dir nichts einfällt oder du keine Ahnung hast, wie du dich bzw. deine Figuren aus einer Situation manövrieren sollst, ohne die letzten fünf Kapitel umzuschmeißen. Was im Alltag kein Problem ist, ist im NaNoWriMo eine Katastrophe: Nichts frisst mehr Zeit als irgendwo festzustecken. Auch wenn du von Haus aus kein Planer bist: Ein grobes Konzept, wenigstens ein paar Stichpunkte, kann einfach nicht schaden.

  • Keine Prioritäten setzen können

Für den NaNoWriMo brauchst du Zeit und die fällt nicht vom Himmel. Zeit muss man sich nehmen. Wir alle haben 24 Stunden zur Verfügung, davon sollten wir 6-8 Stunden schlafen und gehen vermutlich  8-9 Stunden zur Arbeit (Schule, Studium etc. zählen natürlich auch). Das heißt uns bleiben im Schnitt noch 8 Stunden, abzüglich der Wegzeiten zu unserer Arbeitsstelle, dem morgendlichen Duschen, den Mahlzeiten, Sport und anderen Verpflichtungen rund um den Haushalt. Sind wir mal großzügig und behaupten dir bleiben am Ende des Tages noch vier Stunden Freizeit.

Im NaNoWriMo solltest du wenigstens einen Teil dieser Zeit fest fürs Schreiben einplanen. Auch, wenn du wirklich gerne mit einer Freundin einen Kaffee trinken würdest oder unbedingt fünf Folgen deiner Lieblingsserie schauen möchtest. Ein Ziel erreichst du nicht ohne harte Arbeit und Zeit, die du in das Erreichen des Ziels investiert — das ist der Preis, den jeder von uns zahlt. Egal ob du ein Buch schreibst oder für einen Marathon trainierst. Ergebnisse in dem einen Bereich erzielst du nicht ohne Verzicht in einem anderen.

Blocke dir deine Schreibzeit möglichst vor dem NaNoWriMo und bleib dabei, auch wenn sich verlockende Freizeitbeschäftigungen auftun. Schieb Verabredungen auf den Dezember oder plane sie um deine Schreibzeit herum. Entscheide dich im Zweifelsfall lieber für ein oder zwei freie Tage und plane dafür andere ein, an denen du mehr schaffst. Mach den NaNo zu deiner persönlichen Priorität für November.

  • Du lässt Ablenkung zu

Der Haushalt muss noch gemacht werden, du willst noch einkaufen oder dieses eine YouTube Video schauen? Bist du dir sicher, dass du schreiben möchtest? Spätestens wenn ich lieber die Katzenklos saubermache als ein neues Kapitel zu schreiben, weiß ich doch, dass ich schlicht und ergreifend gerade keine Lust habe. Entweder bin ich zu müde oder ich will mich nicht damit konfrontieren, dass die letzte Szene Mist war oder die nächste Mist wird. So oder so: Während des NaNoWriMos solltest du Ablenkungen minimieren (W-Lan aus, Lieblingsfilme in den Keller bringen, was auch immer dir hilft) und gleichzeitig bei jeder Tätigkeit hinterfragen, ob du sie wirklich jetzt erledigen musst. 

  • Ich bin zu müde/zu kaputt/zu irgendwas zum Schreiben

Wirklich? Klar, es gibt Tage, da stimmt das durchaus. Und es gibt Tage, an denen bin ich zu müde zum Schreiben, kann aber noch in die Stadt fahren und shoppen gehen. Nope. Zählt nicht. Wenn ich nicht ins Bett gehe, kann ich auch noch schreiben. Fürs Schreiben brauche ich nur meine Finger und ein bisschen Konzentration — im NaNoWriMo ist der Qualitätsanspruch ja nicht sonderlich hoch.

  • Ich fühle mich nicht danach…

Ich gehe jetzt mal davon aus, dass du keine psychische oder körperliche Erkrankung hast und keine einschneidenden Veränderungen in deinem Leben eingetreten sind. Du bist also gesund und es geht dir körperlich sowie seelisch gut. Ich habe eine schlechte Nachricht für dich: „Ich fühle mich nicht nach“ ist eine tolle Begründung für alle, die gelegentlich schreiben — nämlich wenn sie keine Lust dazu haben. Wenn du 50.000 Wörter in einem Monat schreiben möchtest, geht es nicht um dein Gefühl oder die perfekte Stimmung. Es geht darum ein Ziel zu erreichen. Also ran ans Manuskript.

Die Schritte zum Ziel

50.000 Wörter sind viel und können ziemlich bedrohlich wirken. Das sind sie aber nicht. Erstens geht die Welt nicht unter, wenn du dein Ziel nicht erreichst und zweitens machst du das ja aus einem guten Grund. Du willst etwas lernen und vorankommen. Jedes geschriebene Wort ist ein Wort auf dem Weg zu diesem Ergebnis.

Wenn du sicher bist, dass du 50.000 Wörter nicht schaffen wirst (zum Beispiel weil du gerade viele Überstunden machen musst oder einen neuen Job angefangen hast) setze dir ein für dich realistisches Ziel. Im Zweifelsfall nur 100 Wörter am Tag. Das ist sogar morgens in der Bahn, abends im Bett oder in der Mittagspause zu schaffen.

Und ja, verglichen mit allen anderen schreibst du dann vielleicht wenig, aber du schreibst. Und du schreibst für dich, nicht für andere und erstrecht nicht um dich mit anderen zu vergleichen. Also:

  • Setze dir ein realistisches Ziel, das du mit Anstrengung auch erreichen kannst und berücksichtige dabei die individuellen Faktoren in deinem Leben, die dich vom NaNoWriMo abhalten könnten; egal ob zeitfressender Job, Kleinkind oder großer Freundeskreis
  • Setze dir ein erreichbares Tagesziel und verteile gegebenenfalls einen Großteil der zu schreibenden Wörter auf freie Tage, z. B. das Wochenende
  • Minimiere Ablenkung und stell das W-Lan ab, leg das Handy außer Reichweite oder benutze eine App, die dein Handy während der Schreibzeit blockiert
  • Finde heraus, welche Arbeitsweise du bevorzugst: Brauchst du Pausen beim Schreiben oder bist du jemand, der besser am Stück durcharbeitet?
  • Lege deinen Perfektionismus ab. Fertig ist besser als perfekt und jede fertige Seite kann verbessert werden, eine leere Seite bleibt eine leere Seite
  • Versuche dich an Techniken, die deine Produktivität erhöhen könnten, wie die Pomodoro-Technik
  • Falls du in deiner Planung auf Lücken stößt oder keine Zeit zum Planen hattest: Ignoriere sie. Mach dir eine Notiz ins Dokument, mach erstmal Zeitsprünge oder schreibe „Hier später Szene XYZ einfügen“ mitten in den Text, whatever, aber schreib weiter
  • Fall du dich gar nicht aufraffen kannst: Tausche dich mit anderen Autoren aus und sprecht euch gegenseitig Mut zu
  • Glaube an dich: Wird häufig unterschätzt, ist aber wirklich wichtig. Wenn wir nicht glauben, dass ein Ziel erreichbar oder ein Arbeitspensum zu bewältigen ist, sabotieren wir uns bloß selbst und nehmen uns die Möglichkeit alles zu geben
  • Druck dir inspirierende oder motivierende Zitate aus und schaffe dir eine positive Arbeitsumgebung, in der du dich gut fühlst
  • Lerne Dinge auf später zu verschieben, die auf später verschoben werden können und hinterfrage das Wörtchen „muss“: Wir tendieren dazu „ ich muss“ zu benutzen, wenn wir „ich will“ oder „es wäre besser, ich würde“ meinen. Du musst nur sehr wenige Dinge unmittelbar tun, die meisten Pflichten erlegst du dir selbst auf. Musst du wirklich heute einkaufen oder hast du noch genug Vorräte für zwei Tage und lediglich Appetit auf Pizza?
  • Gönne dir Pausen, aber lasse sie nicht zur Belohnung werden („Ich habe heute geschrieben, also habe ich mir XYZ verdient“) und mach das Schreiben damit zu einer unangenehmen Pflicht
  • Benutze nicht „Ich kann nicht“ statt „Ich will nicht“ und übernimm Verantwortung, wenn du etwas nicht tust — es ist deine Entscheidung und das ist okay.

Fazit: Viele Wege führen zum Ziel

Du musst den richtigen für dich finden. Trau dich deinem Ziel eine hohe Bedeutung zu geben. Viele Menschen sind komfortorientiert, um nicht zu sagen, gelegentlich einfach faul. Wenn wir nicht uuuuuunbedingt müssen, zögern wir anstrengende Arbeiten gerne ein bisschen (oder ein bisschen mehr) hinaus. Das ist einfach, wenn uns das Ergebnis scheinbar nichts oder wenig bedeutet. Aber je schmerzhafter das Scheitern ist, desto härter kämpfen wir. Das ist genau das, was du für ein ambitioniertes Ziel wie den NaNo zu gewinnen brauchst. Denn ohne den absoluten Willen dein Ziel am Ende auch zu erreichen, wirst das Aufraffen viel schwieriger.

In diesem Sinne: Du schaffst das.

Lily

Hilfreich zum Thema:

Tips for Surviving NaNoWriMo

Survival Kit for NaNoWriMo (nicht alles notwendig, aber manches ganz nützlich)

Tipps für bessere Konzentration

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