Projektordner: So erstellst Du eine Story-Bible

Wenn du wie ich mit Scrivener arbeitest, hast du vielleicht eine Ahnung was eine Story-Bible sein könnte. Stell dir einfach deine Scrivener-Mappe vor, nur in ausgedruckter Form und irgendwie gebunden.

Falls du ein anderes Programm zum Schreiben nutzt: Eine Story-Bible fasst alle Dokumente, die für deine Story relevant sind, zusammen. Sehr praktisch, vor allem, wenn du gerne mit analogen Hilfsmitteln arbeitest — zum Beispiel gerne auf Papier plottest oder deine Notizen ausschließlich handschriftlich machst. Das kann alles in deine Story-Bible wandern. Du kannst das am Ende natürlich auch Projektordner nennen, so wie ich es tue.

Brauche ich das wirklich?

Ich denke, besonders in „meinem“ Genre (Fantasy) ist ein solches Sammelsurium an Infos zur eigenen Story relativ verbreitet. Das hängt vermutlich mit dem ausführlichen Weltenbau zusammen, den man dort betreiben muss. Aber braucht man das alles wirklich? Nein, vermutlich nicht. Ich käme auch mit weniger Notizen und Infos aus, aber da ich nicht vom Schreiben lebe, kann ich mir den Luxus leisten und so viel entwickeln wie ich möchte.

Aber Vorsicht: In solcher Arbeit kannst du dich schnell verlieren — vernachlässige also das eigentliche Schreiben nicht. Ich überbrücke mit der Story-Bible immer Phasen, in denen ich nicht schreibe.

Mein Ordner

Zum Beispiel, weil ich gerade ein Projekt abgeschlossen und noch kein neues habe. Auch wenn ich mal einfach nicht schreiben möchte (darf man ja als Autor kaum sagen, aber kommt tatsächlich vor!), nach einem anstrengenden Arbeitstag etwa, mache ich noch etwas an meinem Ordner.

Ein paar Notizen, eine Kleinigkeit erfinden — das geht auch nach acht Stunden Konzentration meist noch ohne, dass mir Tränen in die Augen schießen und ich sofort zum Sofa kriechen will.

Was du für eine Story-Bible brauchst

1. Der Ordner 

Zunächst brauchst du natürlich einen Ordner, eine Mappe oder einen Hefter. Da sind der Möglichkeit keine Grenzen gesetzt. Meistens hat man ja noch einen Ordner irgendwo rumfliegen, im Keller oder bei alten Sachen aus dem Schüler- oder Studentenleben. Natürlich kannst du auch einen neuen Ordner anschaffen.

Ich habe mir einen weißen Ordner gekauft, der vorne eine Klarsichtfolie für ein Deckblatt hat. Das finde ich einfach besonders schön. So weiß ich genau, was ich vor mir habe. Alternativ kannst du auch einen Ordner bekleben. Dafür empfehle ich dir durchsichtiges Klebeband, das hält am besten und ist widerstandsfähig.

Ich habe meinen von Amazon, aber du findest ihn sicher auch in jedem Geschäft für Bürobedarf.

2. Trennblätter

Grundsätzlich kann man das ganz minimalistisch halten: Trennblätter kannst du aus Bastelkarton einfach selbst basteln.

Die wirst du später brauchen, um deine Story-Bibel in verschiedene Kategorien zu unterteilen. Hier kannst du deiner Kreativität freien Lauf lassen. Ich habe einfach welche genommen, die ich noch im Schreibtisch gefunden habe. Wichtig: Du brauchst verschiedene Reiter, die du beim Aufschlagen deines Ordners gut sehen kannst.

3. Klarsichtfolien, damit es schick aussieht

Falls du planst für deine Story zu zeichnen (Karten, Symbole, was auch immer) oder Bilder ausdrucken willst, solltest du ein paar Klarsichtfolien im Haus haben. Das ist die einfachste Möglichkeit etwas zu verstauen und sorgt dafür, dass du nicht ständig irgendwelche Dinge festkleben musst.

4. Einen Locher für die ganzen Zettel 

Ich habe kürzlich erfahren, dass tatsächlich nicht jeder einen Locher im Haus hat. Erinnerst du dich noch, wie man in der Schule Arbeitsblätter ohne Löcher einfach mit brachialer Gewalt in die Mappe gedrückt hat (und sich anschließend ärgerte, wie bescheiden das aussieht…)? Das willst du in deiner Story-Bibel natürlich nicht. Also: Du brauchst einen Locher.

5. Eine umfangreiche Story 

Wäre gut, wenn du eine hast oder zumindest eine planst. Irgendwo müssen die Inhalte ja herkommen.

6. Eine Möglichkeit etwas auszudrucken 

Ein eigener Drucker oder ein Copyshop in der Nähe, völlig egal. Falls du bei Null anfängst oder einfach gerne per Hand schreibst, kannst du natürlich auch alles handschriftlich machen. Mir ist das zu umständlich, weil ich meine Notizen erstens gerne sowohl digital als auch analog zur Verfügung und zweitens oft mit Sehnenscheidenentzündungen zu kämpfen habe.

7. Deckblätter für Kategorien 

Wieder etwas, wo du kreativ werden kannst: Um die Kategorien deiner Story-Bibel optisch klar voneinander zu unterscheiden, empfehlen sich Deckblätter. Da kannst du selbst überlegen, was du gerne machen möchtest.

Ich habe zunächst einfach nur simple Blätter mit Titel genommen

Eine schöne Möglichkeit auch ohne Photoshop ein persönliches Deckblatt zu schaffen: Canva.

Hier kannst du designen, was dir gefällt. Auf Pinterest findest du zudem Vorlagen. Ich habe es mir zunächst ganz einfach gemacht und weiße Blätter entsprechend beschriftet. Ganz schlicht. Sieht natürlich nicht so fancy aus, spart aber erstmal Zeit.

Hast du alles? 

Dann geht es jetzt an die Kategorien. Diese sollten natürlich zu deiner Story passen. Es kann also sein, dass ich Sachen aufzähle, die für dein Genre gar nicht relevant sind. Zunächst die wichtigsten Kategorien:

  1. Plot
  2. Worldbuilding
  3. Figuren
  4. Recherche
  5. Ideen

Falls du jetzt denkst, dass du als Nicht-Fantasyautor keine Worldbuildingkategorie brauchst: Nö, die kannst du trotzdem haben.

Ich habe mit wenigen Kategorien angefangen

Ich bin sicher, dein Roman hat mindestens einen Handlungsort — er hat also durchaus eine eigene Welt. Egal ob sie auf deinem Mist gewachsen ist oder nicht. Und bestenfalls weißt du etwas mehr über diesen Kosmos als deine Leser.

So kannst du ihn nämlich besonders glaubwürdig rüberbringen. Alles, was du wissen musst oder willst, kann in diese Kategorie wandern. Wenn du willst, kannst du die Kategorie auch noch in Unterkategorien unterteilen. Das kann dann zum Beispiel so aussehen

Worldbuilding 

  1. Länder
  2. Städte
  3. Orte
  4. Klima
  5. Völker

Du kannst das wirklich so detailliert oder aber oberflächlich machen wie du möchtest. Mir machen die Details besonderen Spaß. Auch bei der Reihenfolge sind dir keine Grenzen gesetzt. Es ist allerdings sinnvoll, sich immer einem Bereich zur Zeit zu widmen, sonst bricht schnell das Chaos aus. Am besten bringst du eine Sache zu Ende, bevor du eine neue anfängst.

Meine Story-Bibel für Projekt MdM

Da ich meinen Roman noch nicht veröffentlich habe, kann ich dir hier natürlich nicht allzu viel zeigen. Aber ich habe zum Beispiel Charaktersteckbriefe mit Fotos versehen:

Wie du siehst, ist eine Story-Bibel eine tolle Möglichkeit kreativ zu werden und sich gleichzeitig mit der eigenen Story zu beschäftigen, ein besseres Gefühl für das Setting zu bekommen und neue Ideen zu entwickeln.

Es gibt natürlich auch Nachteile: Zeit, die du eventuell zum Schreiben nutzen könntest, geht für die Story-Bibel drauf. Manche Autoren verlieren bei zu exzessivem Planen auch die Lust auf die Story. Das ist natürlich besonders bitter. Ich bin davon glücklicherweise nicht betroffen, aber du solltest dennoch im Auge behalten, was für dich funktioniert und was zu viel des Guten ist.

Tipps und hilfreiche Links:

Allison Schroll — How to Create a Manual for a Book Series 

Ink and Quills — Story Binder 

Well storied — Novel Plan (kann gut als Grundlage genutzt werden)

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