Die bekanntesten Schreibprogramme

Spätestens seit dem #litcamp16 weiß ich, dass nahezu jeder Schreiberling eine andere Software zum Schreiben bevorzugt.

Dort haben wir in der Session „Heute schon geschrieben?“ von Jan-Philipp eine beeindruckende Menge an Tools & Tipps zum Schreiben gesammelt. In den vergangenen Jahren habe ich selbst einige Programme ausprobiert und mindestens die Hälfte war für meine Zwecke nicht besonders gut oder gar nicht geeignet. Inzwischen habe ich „mein“ Schreibprogramm gefunden – Du auch?

Gibt es das „eine“ Schreibprogramm?

Wie andere Autoren mit der von mir verhassten Software zurechtkommen, bleibt mir zwar ein Rätsel, aber natürlich sollte jeder das Programm nutzen, das ihm am meisten zusagt. Deshalb wird es in diesem Beitrag auch nicht darum gehen, welches Schreibprogramm das beste ist. Denn das richtet sich ganz nach deinen individuellen Bedürfnissen.

Ich möchte dir verschiedene Tools zum Schreiben vorstellen, die wir in der Gruppe gesammelt haben. Vielleicht ist ja auch das eine oder andere Programm für dich interessant. Bei spezieller Autorensoftware gehen die Möglichkeiten weit über das hinaus, was ein reines Textverarbeitungsprogramm wie Word leisten kann. Aber nicht jeder braucht so viele Funktionen.

Welcher Schreibtyp bin ich eigentlich?

Natürlich kann man einfach wild alle Programme durchtesten und so das richtige finden. Für jemanden, der das gerne macht (wie mich) ist das vermutlich die beste Variante. Das ganze Testen kostet natürlich wertvolle Schreibzeit. Um die Auswahl einzugrenzen, kannst du zunächst analysieren wie du bisher beim Schreiben vorgegangen bist und welche Hilfsmittel du nutzt.

Planst du neue Projekte umfangreich und legst für  Plot, Charakternotizen und Worldbuilding mehrere Dokumente an? Dann brauchst du vermutlich ein anderes Programm als ein Autor, der seinen Roman nur mit einer groben Vorstellung im Kopf schreibt.

Wenn du unstrukturiert bist und schnell den Überblick verlierst, kann manchmal auch ein Programm oder eine App für ein solides Projektmanagement helfen.

Differenzieren solltest du außerdem zwischen Belletristik, Sachbuch und Journalismus. Natürlich kannst du deine Blogartikel in Papyrus oder DramaQueen schreiben, wirklich zweckmäßig ist das aber nicht (und außerdem auch ganz schön teuer).

Was will ich schreiben?

Auch das Schreibprojekt kann eine Rolle bei der Auswahl des Programms spielen: Hat der Roman mehrere Handlungsstränge und wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt? Ist die Story sehr umfangreich und verworren?

Wer Kurzgeschichten oder Lyrik schreibt, braucht selten ein komplexes Schreibprogramm.

Wenn du dagegen ein typischer Plotter bist, kann das Navigieren durch zwanzig Word-Dokumente irgendwann zur Geduldsprobe werden. Bei meinem Fantasy-Roman war ich das ständige Wechseln zwischen Dokumenten zu Welt, Charakteren und dem eigentlichen Manuskript irgendwann leid. Ich wollte alles an einem Ort haben und jederzeit die Informationen finden, die ich gerade brauche.

Tools & Tipps zum Schreiben auf dem #litcamp16

Auf dem Literaturcamp Heidelberg haben wir diverse Software gesammelt. Vom Textverarbeitungsprogramm bis zur Schreib-App war alles dabei. Zur besseren Übersicht habe ich die Programme in Gruppen zusammengefasst. Manche haben natürlich besonders viele Funktionen und passen daher auch in mehrere Kategorien. Ich habe mich in einem solchen Fall auf die wesentlichen Features beschränkt oder das jeweilige Programm doppelt aufgeführt.

Leider habe ich noch nicht jede Software selbst getestet. Du darfst mich also gerne verbessern, wenn ich sie deiner Meinung nach falsch zugeordnet oder Funktionen versehentlich unterschlagen habe. Zu den einzelnen Programmgruppen werde ich außerdem nach und nach Artikel schreiben. Insbesondere zu Scrivener und Papyrus, die ich selbst zum Schreiben nutze.

Textverarbeitungsprogramme

  • MS Word
  • Pages (Mac)
  • Libre Office
  • Open Office
  • Google Docs

Mit typischen Textverarbeitungsprogrammen wie Word oder Open Office haben wohl die meisten Autoren angefangen. Ich würde nicht zu Word zurückkehren wollen und bin froh gewechselt zu haben. Mir fehlen einfach die Möglichkeiten mich zu organisieren. 

Schreiberlinge, die neben grundlegenden Formatierungsmöglichkeiten keine speziellen Funktionen benötigen, sind mit einem Textverarbeitungsprogramm aber in der Regel gut beraten.

Besonders praktisch sind natürlich Programme, bei denen gespeicherte Dokumente automatisch auf anderen Geräten synchronisiert werden. So hast du immer die aktuelle Fassung dabei. Ansonsten hilft dabei aber auch ein Dienst wie Dropbox.

Allrounder unter den Schreibprogrammen

  • Papyrus
  • Scrivener
  • DramaQueen
  • yWriter
  • Novlr
  • Snowflake Pro

In diesen Programmen ist nicht nur das Schreiben, sondern auch das Plotten möglich. Zusatzfunktionen wie das Anlegen von Charakterbögen oder einem Zeitstrahl sind ebenfalls vorhanden. Außerdem kannst du dein Recherchematerial und Inspirationsquellen hinterlegen. Diese Programme sind vor allem für Autoren interessant, die sehr umfangreiche Manuskripte oder Sachbücher schreiben und selbstverständlich für alle, die gerne planen.

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Scrivener Screenshot (Mac)

Auch die Korrekturmöglichkeiten sind häufig besser an Autorenbedürfnisse angepasst. Vieles ist natürlich eigentlich überflüssiger Schnickschnack.

Ich gebe zu, dass ich  gerne mit Technik spiele und es toll finde meinen Ordnern verschiedene Symbole und Farben zuordnen zu können, selbst wenn es nicht zwingend notwendig ist. Die aufgeführten Programme haben jeweils unterschiedliche Funktionen und bewegen sich in einem Preisrahmen von kostenlos bis fast 300 Euro.

Ablenkungsfrei schreiben

  • iA Writer (Mac)
  • Texteditor
  • Ommwriter

Diese Programme beschränken sich auf das Wesentliche: Das Schreiben. Mehr ist hier nicht wirklich möglich, deshalb eignen sich diese Programme vor allem für den ersten Entwurf. Wenn du dich leicht ablenken lässt oder nicht gut konzentrieren kannst, ist das vielleicht die Lösung. Für die Formatierung brauchst du allerdings ein zweites Programm. Umfangreiche Korrekturen solltest du ebenfalls in einem anderen Programm vornehmen.

Apps zum Schreiben

  • Jotterpad
  • Pages (iPad bzw. iPhone)
  • iA Writer (iPad bzw. iPhone)
  • Evernote

Du willst unterwegs schreiben, aber ein Notizbuch kommt nicht in Frage? Für alle, die auf das Gefühl von Stift und Papier verzichten können, stellt das Smartphone oder das Tablet einen durchaus geeigneten Ersatz dar. Sowohl für Android als auch für iOS gibt es eine große Auswahl an verschiedenen Schreib-Apps.

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Evernote Screenshot (Mac)

Einige dieser Apps bieten verschiedene Funktionen, andere wie der iA Writer beschränken sich auf das Wesentliche und bieten wenig Möglichkeiten das Dokument optisch den eigenen Vorstellungen anzupassen. Wer am Handy tippt, spart auf jeden Fall eine Menge Zeit. Das lästige Abtippen entfällt, da die Dokumente in der Regel entweder einfach importiert werden können oder automatisch mit denen auf eurem PC synchronisiert werden.

Schreibprogramme zur Organisation

  • Evernote
  • Citavi
  • Docear
  • Zotero
  • Toodle Do
  • Wunderlist

Listen anlegen, Literatur verwalten und Material sammeln – all das ist mit diesen Programmen möglich. Es handelt sich zwar nicht um typische Schreibprogramme, aber trotzdem werden sie von vielen Autoren genutzt. Entweder um den Schreibprozess zu strukturieren oder direkt zum Schreiben von Blogposts oder wissenschaftlichen Arbeiten. Für Sachbücher, Fachartikel oder wissenschaftliche Arbeiten sind Programme wie Citavi und Zotero besonders gut geeignet.

Schreibprogramme zur Motivation

  • Write or Die
  • Writometer

Deadlines verhelfen so manchem Autor zur Produktivität, andere sitzen allein beim Gedanken an einen Abgabetermin dagegen wie gelähmt vor dem weißen Blatt. Mit diesen Programmen kannst du dir ein tägliches Ziel setzen und somit deine Produktivität erhöhen (oder massiv verzweifeln…).

Mich persönlich setzt so was eher unter Druck, aber es gibt Autoren, die sich durch ambitionierte Ziele besonders gut motivieren lassen.

Spezielle Tools zum Schreiben

  • Aeon Timeline
  • Snowflake Pro

In Heidelberg haben wir  auch Programme gesammelt, die als Ergänzung zu einem Textverarbeitungsprogramm genutzt werden können. Mit Aeon Timeline kannst du beispielsweise einen Zeitstrahl für deinen Roman anlegen. Auch für das Projektmanagement ist die Software nützlich. Snowflake Pro ist das einzige Programm, dass sich einer speziellen Plot-Methode widmet. In diesem Fall handelt es sich um die Schneeflockenmethode, die Jacqueline Vellguth auf ihrem Blog ausführlich vorgestellt hat.

Tools zum Plotten

  • Beemgee

Noch ziemlich neu und derzeit noch in ständiger Entwicklung ist Beemgee, ein Programm bzw. ein Online-Tool, das ausschließlich Funktionen zum Plotten und für die Charakterentwicklung bietet. Beemgee ist daher kein Schreibprogramm im eigentlichen Sinne, sondern wirklich für das Storytelling gedacht. Ganz klassisch kann man die Story hier in einzelne Punkte bzw. Szenen strukturieren.

Durch eine sehr übersichtliche und gut strukturierte Benutzeroberfläche ist es auch für bisher plattunwillige Schreiberlinge interessant!

Programme, die bei Autoren hoch im Kurs stehen

In unserer kleinen Runde wurden Scrivener und Papyrus besonders häufig erwähnt, allerdings auch für ihre Komplexität kritisiert. Ohne Einarbeitungszeit geht hier gar nichts. Bis man alle Funktionen gefunden und verstanden hat, kann es schon eine Weile dauern. Allerdings gibt es auf YouTube hilfreiche Videos und auch zahlreiche Blogbeiträge, die beim Einstieg weiterhelfen.

Beide Programme sind definitiv einen Blick wert und ich kann jedem Autor nur ans Herz legen ihnen eine Chance zu geben. Gönn dir allerdings ein paar Tage zum ausgiebigen Testen, nicht bloß einige Stunden. Das wird sonst nur frustrierend.

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Papyrus Screenshot (Mac)

 

Auch Evernote wurde von den Autoren und Journalisten in der Session gelobt. Auffällig war der Unterschied zwischen den Schreibern mit Informatikhintergrund und solchen ohne. Wer programmieren kann, bevorzugt offenbar oft andere Tools (nämlich solche, in denen er eine Programmiersprache nutzen kann).

Da das aber nicht unbedingt für die Mehrzahl der Autoren (und auch nicht für mich) gilt, überlasse ich dieses Feld aber gerne einem Autor mit entsprechenden Fachkenntnissen. Fühlt sich jemand angesprochen?

Tools & Tipps zum Schreiben: Vernetze dich!

Neben gängigen Schreibprogrammen haben wir uns auch über andere Tools & Tipps zum Schreiben unterhalten. Ein wesentlicher Punkt bei der Diskussion war der Kontakt zu anderen Autoren.

Ich merke selbst immer wieder wie sehr es mich inspiriert und motiviert mit anderen Schriftstellern zu sprechen. Beim gegenseitigen Austausch kann man nicht nur vom Wissen der anderen profitieren, sondern auch Unterstützung und Verständnis finden. Hier einige Möglichkeiten um andere Schreiberlinge kennen zu lernen:

Der NaNoWriMo ist der Nationale Writing Month und findet jedes Jahr im November statt. Das Ziel: 50.000 oder mehr Wörter in einem Monat schreiben. Hier hast du die Gelegenheit dich mit anderen Schreibern zu vernetzen, die in diesem Monat genauso wenig schlafen wie du!

Weitere tolle Möglichkeiten um mit Gleichgesinnten in Kontakt zu treten, sind Veranstaltungen wie die Leipziger Buchmesse, die Frankfurter Buchmesse oder auch Events wie das Literaturcamp Heidelberg. Ebenfalls gut geeignet sind Facebookgruppen, Twitter (schreibt mir!) und natürlich diverse Autorenblogs.

Neue Programme und Beta-Versionen

Die Apps Buno, Bear und Better Note sind noch relativ neu und haben es vielleicht auch deshalb nicht auf unsere Liste geschafft. Die Konkurrenten von Evernote sind teilweise erst in der Beta-Version erhältlich. Buno ist eine sehr minimalistische App, bei der du deine Notizen unter anderem durch einen Pin schützen könnt.

Bear kombiniert mehrere Funktionen und ist deshalb auch als Texteditor interessant. Neben der Möglichkeit ablenkungsfrei zu schreiben, werden bei Bear außerdem mehr als zwanzig Programmiersprachen unterstützt. Außerdem kannst du deine Notizen einfach per Hashtag sortieren, was auch der Gedanke hinter Better Notes ist.

Welches Schreibprogramm nutzt du?

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Unsere Liste auf dem Literaturcamp Heidelberg

Kennst du noch andere Schreib- bzw. Autorenprogramme, die es nicht auf unsere Liste geschafft haben?

Lily

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