Tipps für den Besuch einer Buchmesse

Meine letzte Buchmesse war zwar meine erste, aber dennoch war ich danach um einiges schlauer. Ein paar meiner Erfahrungen möchte ich heute mit dir teilen. Einige Tipps sind natürlich meinem Augenzwinkern zu verstehen.

Die Leipziger Buchmesse 2016 war für mich zwar ein voller Erfolg, aber auch ziemlich chaotisch. Klar, Messen sind immer stressig, das kenne ich auch aus meinem Job. Trotzdem kann man sich vieles einfacher machen, wenn man richtig vorbereitet ist. Vorab: Was für mich super funktioniert, muss für dich nicht das Richtige sein. Vielleicht bist du viel spontaner als ich und kannst auf eine umfassende Planung verzichten.

1. Den Besuch der Buchmesse richtig planen

Letztes Jahr hatte vor der Buchmesse viel zu tun, weil am Montag nach der Messe unsere Katzen einziehen sollten. Durch die Vorfreude auf die Stubentiger habe ich die Planung aus den Augen verloren und stand am Tag der Anreise zwar mit einem dicken Programmheft, aber ohne Schlachtplan da. Daraufhin nahm ich mir vor, die Messe wenigstens im Zug grob durchzuplanen.

Wie alles, was ich mir für eine Zugfahrt vornehme, war dieses Vorhaben zum Scheitern verurteilt. In der Regel bin ich im Zug nämlich mit lesen oder schlafen beschäftigt. Vielleicht noch mit schreiben, ganz sicher aber nicht mit Messe-Planung (zumindest nicht, wenn die eben genannten Dinge auch zur Auswahl stehen…).

Um optimal auf die Buchmesse vorbereitet zu sein, solltest du vorher also:

  • Das Programmheft studieren
  • Interessante Veranstaltungen markieren
  • am Ende alle Veranstaltungen (auch parallel laufende) in eine Übersicht eintragen

Letztes Jahr habe ich mir meinen Plan im Kalender meines Smartphones (damals hatte ich noch ein Android-Gerät. Jetzt benutze ich ein iPhone, mal gucken wie es dieses Jahr klappt) eingespeichert. So hatte ich die Übersicht immer griffbereit. Notiere dir wirklich jede Veranstaltung, die dich interessiert, auch die zeitgleich ablaufenden. Falls ein Vortrag ausfällt, überfüllt ist oder du spontan Lust auf eine Lesung hast, kannst du so jederzeit umplanen, ohne lange nach Alternativen suchen zu müssen.

Am Ende muss deine Übersicht nur für dich funktionieren.

Meine Freundin hat sich den Plan auf einen Zettel geschrieben, weil sie lieber eine analoge Übersicht zu Hand hat. Mir wäre das zu chaotisch, aber sie kam prima damit zurecht. Klarer Nachteil des Handys: Der Akku kann leer sein, die Technik versagen. Im Zweifelsfall rettet einen hier nur eine Powerbank oder eine freie Steckdose. Mir ist Papier zu unflexibel, deshalb würde ich dir einen digitalen Plan empfehlen. Falls dir das Kalendersystem nicht gefällt, könntest du auch eine App wie Evernote nutzen. Am Ende muss deine Übersicht nur für dich funktionieren. Wenn du sie dir also auf den Unterarm schreiben oder verschiedenfarbige Markierungen im Programmheft nutzen willst, nur zu 😉

2. Checken, ob die Technik funktioniert

Hast du deine Kamera länger nicht im Einsatz gehabt? Weißt du, wo alle deine Speicherkarten rumfliegen? Nichts ist nerviger, als am Abend vor der Abreise festzustellen, dass irgendwas fehlt oder kaputt ist. Ich suche schon Anfang März zusammen, was ich mitnehmen möchte und kontrolliere, ob alles funktioniert. So weiß ich genau, ob ich vielleicht einen Kamera-Akku ersetzen oder meine Speicherkarten für Messefotos freimachen muss. Bei meinem Handy bin ich dagegen ziemlich sicher, dass es funktioniert, das benutze ich ja jeden Tag.

Für mich stellt sich aber zum Beispiel auch die Frage, welche Kamera ich mitnehmen möchte. Die Spiegelreflex, doch eher eine leichte Alternative oder sogar nur das Handy? Übrigens kann man Objektive auch leihen. Falls du also nicht das passende Objektiv zur Hand hast, weil du sonst nur Porträt- oder Makroaufnahmen machst, ist das vielleicht eine Alternative für dich. Auf einer Messe können Objektive mit Zoom dir wirklich das Leben retten, denn mit einer Festbrennweite musst du oftmals ziemlich nah an dein Motiv heran und das ist zwar fotografisch die größere Herausforderung, aber im Gedränge oft gar nicht so leicht.

Also:

  • Sind deine Speicherkarten frei und funktionstüchtig?
  • Funktionieren Kamera-Akkus und hast du ggf. einen Ersatz-Akku zur Verfügung?
  • Willst du dir ein Objektiv für deine Kamera ausleihen? Kommt es noch rechtzeitig an?
  • Brauchst du evtl. eine Powerbank, um dein Zeug zwischendurch aufzuladen?

Das sind natürlich Punkte, die sich primär an Blogger, YouTuber etc. richten. Als „normaler“ Messebesucher kannst du sicherlich auf viel Technikgedöns verzichten.

3. Visitenkarten drucken lassen

Falls du auf der Buchmesse primär Kontakte knüpfen möchtest, sind Visitenkarten unverzichtbar. Deine E-Mail-Adresse notdürftig auf einen Zettel zu kritzeln reicht nicht aus. Am Ende des Tages kann den vermutlich ohnehin keiner mehr zuordnen.

Falls du kein Händchen für Design hast, kannst du bei den meisten Anbietern eine Vorlage zur Erstellung einer Visitenkarte nutzen.

Eine richtige Visitenkarte ist aber nicht nur praktisch, sondern wirkt auch professionell. Falls du kein Händchen für Design hast, kannst du bei den meisten Anbietern eine Vorlage zur Erstellung einer Visitenkarte nutzen. Das ist im Zweifelsfall immer noch besser als ein schlechtes eigenes Design — genau wie bei einem Buchcover zählt hier der äußere Eindruck. Ich habe meine Karten letztes Jahr bei moo.com drucken lassen. Da sind sie im Vergleich zu anderen Anbietern etwas teurer, aber ich war super zufrieden mit meinen Karten und würde sie wieder dort bestellen.

  • Informier dich, was auf eine Visitenkarte gehört
  • Recherchiere nach Anbietern
  • Erstelle evtl. ein Design für deine Karte
  • Lass die Karten rechtzeitig drucken

Falls du schon Visitenkarten hast: Sind sie noch aktuell? Müssen neue Informationen auf die Karte oder können alte gestrichen werden?

4. Knüpfe neue Kontakte

Buchmessen sind super geeignet, um neue Leute aus der Branche kennen zu lernen. Erkundige dich auf deinen Social Media Kanälen, wer zur Buchmesse kommt und ob sich vielleicht ein Treffen organisieren lässt. Perfekt sind auch Veranstaltungen, bei denen es hauptsächlich darum geht ins Gespräch zu kommen. Da auf der Buchmesse unglaublich viel los ist, solltest du es jedoch nicht persönlich nehmen, falls irgendwer keine Zeit für dich hat. Fragen kostet aber nichts 😉

5. Richtiges Essen ist Gold wert

Vielleicht sind nicht alle so verfressen wie ich (ganz sicher sogar…), aber ich kann nicht mehrere Tage nur von Crêpes und Cola leben. Zumindest nicht besonders gut. Wenn irgendwie möglich, nimm dir ein Brötchen mit oder zumindest etwas, das mehr Substanz als eine Pommes hat und dich gleichzeitig vor Unterzuckerung bewahrt. Ich steh‘ ja auf gesunde Ernährung, aber grundsätzlich spricht natürlich auch nix gegen ein Snickers. Das kriegst du vermutlich auch auf der Messe, aber glaub mir: Du willst keine Messepreise für Essen und Trinken bezahlen, wenn du nicht unbedingt musst. Wenn die Cola gefühlt ein halbes Taschenbuch wert ist, stimmt was nicht.

  • Snacks für zwischendurch einpacken, um nicht arm zu werden
  • Genug trinken! Wichtig für den Kreislauf 😉

6. Stell dich auf Menschenmassen ein

Das gilt vor allem für den Samstag: Wenn du nicht gerne in einer Menschenmasse feststeckst, solltest du dich für diesen Tag mit viel Geduld wappnen. Das gilt natürlich insbesondere für Menschen, die ernsthafte Probleme mit Gedränge und Menschenmengen haben. Bereite dich also mental darauf vor, dass es sehr sehr voll sein wird. Dementsprechend ist es auch angenehm, am Samstag nicht ganz so dick angezogen und nicht allzu schwer bepackt zu sein. Ich nehme z.B. meine Spiegelreflexkamera nicht mit und achte generell darauf, dass meine Tasche schön leicht bleibt. Das ist übrigens ein Universaltipp für die Buchmesse (und jede andere Veranstaltung dieser Art):

  • Den Buchmesse-Samstag mit Vorsicht genießen und dich auf Menschenmengen einstellen
  • Leichtes Gepäck mitnehmen
  • Evtl. einen kleinen Rucksack statt einer Umhängetasche nutzen

7. Für die Mädels: Flache Schuhe tragen

Ich weiß, ich weiß. Manche Frauen können auf High Heels besser laufen als in Sneakers und ja, hohe Schuhe sehen toll aus. Was soll ich sagen? Ich  bleibe trotzdem bei meinen flachen Stiefeln, denn alles andere würde mich nach acht bis zehn Stunden garantiert umbringen. Auf der Buchmesse gilt ganz klar, je bequemer, desto besser. Es gibt auch flache Schnürschuhe, die schick aussehen. Schlimmster Fehler: Neue Schuhe zu so einem Event zu tragen. Falls alle Warnungen nicht helfen:

  • Blasenpflaster einpacken
  • Flache Schuhe wenigstens mitnehmen, falls du nach dem ersten Tag nicht mehr in die Pumps kommst
  • Hohe Schuhe im Zweifelsfall mitnehmen, um abends was Essen oder auf eine Lesung zu gehen

8. Für die Schreiberlinge unter uns

Es kann nie schaden ein fertiges Expose dabei zu haben — dabei sollte es außer Frage stehen, dass auch auf einer Buchmesse, die formalen Kriterien für solche Dokumente erfüllt sein müssen. Falls dein Roman/Sachbuch/was auch immer noch nicht fertig ist, kannst du zumindest einen Pitch vorbereiten. Du weißt nicht, was das ist? Kein Problem:

Selbst wenn du deinen Roman gar nicht groß präsentieren willst, erleichtert das ganz ungezwungene Unterhaltungen mit anderen Schreiberlingen und Bücherwürmern. Wer will auf die Frage „Wovon handelt dein Buch?“ schon mit „Äh, keine Ahnung“ antworten? Sofern du also über das Schreiben sprechen willst, hilft es durchaus vorab ein paar Gedanken zu den eigenen Projekten festgehalten zu haben.

9. Trag Klamotten, in denen du dich gut fühlst

Sofern du die Messe nicht nur als Besucher erleben willst, sondern auch aus beruflichen oder Marketing-Gründen dort bist, eine gute Mischung aus authentischer und seriöser Garderobe ist meist eine gute Wahl. Deine Kleidung sollte sich nicht nach Verkleidung anfühlen (es sei denn natürlich das ist Teil deines Marketings) und zu dir passen. Übrigens: Es schadet nicht, dir möglichst frühzeitig zu überlegen, was du auf der Buchmesse tragen willst. Falls du ein Kleidungsstück in die Reinigung geben musst, kannst du das so rechtzeitig planen.

10. Mach dir Notizen

Ein kleines Notizheft (leichter als ein Buch!) ist eigentlich unverzichtbar, sofern du später einen Messerückblick schreiben willst oder einen spannenden Vortrag hörst, dessen Inhalte du dir sonst nicht merken könntest. Alternativ kannst du natürlich auch ein Smartphone oder ein Tablet verwenden. Ich hatte mein Tablet allerdings im letzten Jahr dabei und habe es nicht ein einziges Mal benutzt, weil es mir zu umständlich erschien.

Mit dem Smartphone funktioniert das Notieren für mich zwar gut, aber das frisst natürlich Akkulaufzeit. Dafür sparst du dir zusätzliches Gewicht, wenn du auf dein Handy zurückgreifst. Falls du später über deinen Messebesuch berichten möchtest, kannst du z.B. folgende Dinge festhalten:

  • Wer hält den Vortrag/das Interview/Workshop etc.?
  • Was ist das Thema?
  • Was hat dich besonders beeindruckt?
  • Wie war die Location, die Stimmung?

Wenn du selbst Interviews führen möchtest, aber kein Diktiergerät besitzt, kannst du dein Handy nutzen. Vergiss aber nicht eine Testaufnahme zu machen. NICHTS ist so ärgerlich wie am Ende des Interviews festzustellen, dass der Ton verzerrt ist oder das Gerät gar nicht aufgenommen hat. Ja, ich spreche da aus Erfahrung. Wenn du also nach dem Interview keinen Wutanfall bekommen möchtest, rate ich dir ganz dringend: Testen, testen, testen.

11. Bücher für Signierstunden einpacken

Dein Lieblingsautor ist auf der Buchmesse und du willst dir ein Buch signieren lassen? Blöd nur, wenn das betreffende Buch dann daheim im Regal steht, weil du es vergessen hast. Mit Glück findest du es dann in der Messebuchhandlung. Aber mal ehrlich: Selbst wir Buchnerds brauchen ja nicht jedes Werk in zweifacher Ausführung. Es sei denn natürlich, es ist eine Neuauflage oder ein Taschenbuch, das englischsprachige Original oder eine Special Edition… lassen wir das. Mach dir bei der Planung eine Liste, wer auf der Messe sein wird und anschließend eine mit allen Büchern, die du mitnehmen möchtest.

Der Hinweis schlechthin: Glaub gar nicht erst, dass du viel schlafen wirst.

Denn das wirst du nicht. Und wenn, dann wirst du dich danach vermutlich nicht so erholt fühlen wie sonst. Messetage schlauchen unheimlich. Ich habe mir deshalb den Tag nach der Buchmesse bzw. in diesem Jahr zur Nachbereitung sogar die ganze Woche freigenommen. Das kann ich nur empfehlen. Egal wie gut man plant, am Ende ist man doch länger wach als erwartet und muss trotzdem früh wieder hoch. Mich retten am Ende nur noch Kaffee und viel schwarzer Tee — im Zweifelsfall auch Cola, obwohl ich die nicht besonders mag. Und das ist okay, das gehört dazu.

Lily

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