Ursachen für Schreibblockaden

Eine Schreibblockade kann unglaublich frustrierend sein. Nachdem ich mir Gedanken gemacht habe, was dieses Wort überhaupt bedeutet, will ich dir jetzt Wege aufzeigen, den Grund für deine Schreibblockade zu finden.

Wie ich in meinem letzten Artikel schon angedeutet habe, sich vorab erstmal ein paar Fragen zum Schreiben und zum eigenen Wohlbefinden zu stellen.

Welche Gründe gibt es für Schreibblockaden?

  • Psychische Ursachen, z.B. Depression
  • Äußere Umstände, z.B. Umzugsstress oder ein neuer Job
  • Schwierigkeiten mit dem Text, z.B. Plotlöcher oder Logikfehler
  • Selbstzweifel, mangelndes Selbstwertgefühl
  • Mangelnde Disziplin, falsche Einstellung zum Schreiben
  • Perfektionismus

Nachfolgende ein paar Gedanken zu den einzelnen Punkten und Ursachen für Schreibblockaden:

Geht es mir physisch und psychisch gut?

Manchen Menschen fällt es tatsächlich schwer diese Frage ehrlich zu beantworten. Dabei ist es die wichtigste von allen. Wenn du dich schlecht fühlst, dann brauchst du deine ganze Kraft um dich auf deine Genesung zu konzentrieren. Schreiben erfordert Disziplin, Konzentration und Durchhaltevermögen. Es gibt Phasen im Leben, da fehlen dafür schlicht die Kapazitäten.

Das ist okay! Du musst nicht immer funktionieren. In solchen Situationen ist es wichtig, sich auf das zu konzentrieren, was Vorrang hat: Die eigene Gesundheit. Dazu gehört nicht nur körperliches, sondern auch psychisches Wohlbefinden. Gibt es Faktoren in deinem Leben, die dich gerade stark belasten? Dann zwing dich nicht zum Schreiben, sondern widme dich erstmal der größten Baustelle.

Depressionen und psychische Krankheiten als Ursache für Schreibblockaden

Lösungsansatz: Sprich darüber! Wenn es dir nicht gut geht, lass es andere wissen und nimm Hilfe in Anspruch. Dein Freundeskreis und deine Familie haben kein Verständnis? Auf Twitter bieten viele Menschen regelmäßig ihr offenes Ohr an.

Nimm das an, auch wenn es unendlich schwer ist, es ist unglaublich viel wert. Du brauchst übrigens kein schlechtes Gewissen zu haben, nur weil du nicht schreibst. Das Schreiben sollte dir Spaß machen und dich nicht zusätzlich stressen.

Anmerkung: Wenn du grundsätzlich unter Antriebslosigkeit, einem dauerhaften Überforderungsgefühl oder Versagensängsten leidest, ist das ein ernstzunehmendes Alarmsignal. Nimm das nicht auf die leichte Schulter und achte auf dich!

Hier findest du weiterführende Informationen zum Thema Depressionen. 

Setze ich mich unter Druck?

Nicht selten sind die eigenen (viel zu hohen…) Ansprüche der Grund für eine Schreibblockade. Möchtest du das perfekte Buch beim ersten Versuch schreiben? Soll dein Text sich so gut lesen lassen wie der von Bestsellerautor xyz? Vergleichst du deine Arbeit permanent mit der von anderen Schreibern?

Du steckst noch mitten im Prozess. Das Ergebnis eines anderen ist kein Maßstab für dich. 

Lösungsansatz: Lass es. Ich weiß, es ist nicht so einfach wie es klingt. Führe dir trotzdem immer wieder vor Augen, dass das Leben kein verdammter Wettbewerb ist.

Du schreibst, weil du dich dafür entschieden hast. Weil es dir irgendetwas gibt, dir bestenfalls gut tut und Spaß macht. Mit der Zeit wirst du besser werden und lernen. Es gibt absolut keinen Grund dich unter Druck zu setzen.

Anmerkung: Vergleiche deinen ersten Entwurf niemals mit dem fertigen Buch eines anderen Autors. Dabei kann dein Werk nur verlieren. Ein gebundenes Buch ist immer auch ein fertiges Produkt und manchmal schadet es nicht, sich das in Erinnerung zu rufen.

Es kann der dritte, vierte oder fünfte Entwurf sein. Es hat Lektorat und Korrektorat hinter sich, etwaige Fehler wurden ausgemerzt. Ist dein Text fertig? Nein, dann würdest jetzt nicht vor einem leeren Blatt sitzen. Du steckst noch mitten im Prozess. Das Ergebnis eines anderen ist kein Maßstab für dich. 

Finde ich meine Idee blöd?

Keine Panik. Tief durchatmen. Niemand hat nur blöde Ideen. Das fühlt sich meistens einfach nur so an. Klar, manche Einfälle sind Mist, da brauchen wir nicht drüber reden. Auf dem Weg zu einer genialen Idee hat man immer auch so ein paar Totalausfälle, bei denen man sich hinterher fragt, was um alles in der Welt einen auf diesen Gedanken gebracht hat.

Während du schreibst, bist du dir selbst gegenüber allerdings nicht objektiv. Erstmal musst du fertig werden, dann überarbeiten. Man lernt mit jedem Text. Gefällt dir die Idee am Ende immer noch nicht, ab in die Schublade damit und für später aufbewahren.

Lösungsansatz: Was genau findest du blöd? Ist das Setting nicht originell genug? Der Konflikt nicht spannend? Analysiere das Gefühl und versuche herauszufinden, welcher Faktor dich stört. Dann kannst du entscheiden, ob und wie du diesen Aspekt deiner Story ändern möchtest.

Lösungsansatz 2: Am Ende dieses Artikels wirst du diesen Satz nicht mehr lesen können, aber: Sprich darüber. Kommunikation ist so hilfreich! Hol dir Feedback, diskutiere deine Idee mit anderen und spinnt gemeinsam ein bisschen herum.

Lösungsansatz 3: Schreib etwas anderes, löse dich vom Frust, den das aktuelle Projekt hervorruft. Schreib für dich, und für niemand sonst.

Habe ich das Gefühl die Szene/das Kapitel funktioniert nicht?

Schreibblockade: Bin ich ein Schriftsteller, obwohl ich nicht schreibe

Passiert mir manchmal und ist unheimlich ärgerlich. In meinem Plot klang die betreffende Szene irgendwie gut, aber beim Schreiben fühlt sie sich plötzlich langweilig oder einfach „nicht richtig“ an.

Ich verlasse mich da nicht immer auf mein Gefühl, sondern schreibe meist stumpf weiter. Streichen geht am Ende immer. Das muss nicht der richtige Weg für dich sein.

Lösungsansatz 1: Einfach weiterschreiben. Das Augen-zu-und-durch-Prinzip anwenden. Ein erster Entwurf darf Mist sein.

Lösungsansatz 2: Den betreffenden Teil direkt überarbeiten und neu schreiben.

Habe ich mich irgendwo verzettelt?

Passiert eher den sogenannten Bauchschreibern, also allen, die ohne Plot arbeiten. Aber auch mit einer Plot-Outline kann man plötzlich irgendwo rauskommen, wo man eigentlich nie hin wollte.

Lösungsansatz 1: Zu der letzten Szene zurückkehren, die sich „gut“ angefühlt hat und von dort noch einmal neu beginnen

Lösungsansatz 2: Den Plot noch mal auf Schwachstellen durchgehen

Lösungsansatz 3: Mit anderen Autoren über die Schwierigkeiten sprechen und versuchen gemeinsam eine Lösung zu finden

Lösungsansatz 4: Irgendwo notieren, was nachträglich geändert werden muss und weitermachen

Haben sich meine Interessen verändert?

Wer lange an einem Buch arbeitet, kennt das vielleicht – plötzlich liest man hauptsächlich Thriller und hat so gar keine Lust mehr auf einen High-Fantasy-Roman. Das ist ärgerlich, kommt aber manchmal vor.

Lösungsansatz 1: Versuch das Buch trotzdem abzuschließen. Das ist gut für dein Selbstwertgefühl und bringt dir garantiert noch das eine oder andere bei.

Lösungsansatz 2: Bevor du dich monatelang quälst, pausiere das Projekt und wende dich einem anderen zu.

Anmerkung: Falls du merkst, dass du letzteres immer wieder machst und Texte nie fertigstellst, solltest du  noch mal genauer nachforschen. Vielleicht liegt die Schwierigkeit dann doch eher woanders und du umgehst auf diese Weise einfach ein anderes Problem.

Habe ich mir erreichbare Ziele gesetzt?

Schreibblockaden: Erkennen und verstehen

Ich wollte dieses Jahr täglich 1000 Wörter schreiben und  musste mir eingestehen, dass ich das nicht leisten kann (ohne dabei unglücklich zu werden). Solange ich noch einen Vollzeitjob habe, heißt es für mich: Meine starken Schreibtage sind der Samstag und der Sonntag.

An allen anderen Tagen setze ich mich an das Manuskript und schreibe wie ich Lust habe oder auch mal gar nicht. Noch muss ich nicht davon leben. Auch dein Tag hat nur 24 Stunden. Du kannst nicht alles auf einmal machen.

Lösungsansatz: Mach langsam und finde dein eigenes Tempo. Setze dir realistische Ziele, die du auch erreichen kannst. Finde für heraus, was für dich funktioniert. Manche Menschen sind besonders motiviert, wenn sie sich ein bisschen abstrampeln müssen und andere brauchen erstmal Erfolgserlebnisse, um dranzubleiben.

Möchte ich überhaupt schreiben?

Keine Zeit ist in den meisten Fällen kein Argument. Sofern du keine vier Jobs, drei Kinder, zwei Hunde, einen Partner, fünfzig Katzen und nicht mal Zeit zum Atmen hast, kannst du Zeit zum Schreiben finden.

In der Bahn, morgens vor dem Frühstück, im Wartezimmer — versuch zu unterscheiden zwischen „Ich habe keine Zeit“ und „Ich will mir keine Zeit nehmen“ und „Ich habe keine Kraft“. Keine Zeit haben wir nur sehr selten. Du kannst eine Verabredung absagen, du kannst dir jeden Tag eine Viertelstunde nur zum Schreiben nehmen.

Falls du gerade in einer Situation bist, wo deine komplette Aufmerksamkeit andernorts gefordert ist (schreiben einer Abschlussarbeit, Abitur, Jobwechsel usw.), nutze zehn Minuten am Tag für Notizen zum aktuellen Schreibprojekt und markiere dir im Kalender den Zeitpunkt, ab dem dir wieder Schreibzeit zur Verfügung steht, statt dich unnötig unter Druck zu setzen.

Fazit: Du kannst immer etwas tun

Das Internet ist voll mit Tipps gegen Schreibblockaden. Schau dich um, probiere andere Ansätze aus und finde deinen eigenen Weg. Im Zweifelsfall kann es auch helfen mal etwas vollkommen anderes zu tun. Mach Sport, geh mit Freunden aus oder lies mal wieder dein Lieblingsbuch. Sammle Inspiration, schau Filme und probiere neue Dinge aus.

Ansonsten:

  • Das Medium wechseln: Versuch mal Stift und Papier statt Tastatur und Bildschirm
  • Neue Inspiration suchen: Lesen, Bilder oder Filme anschauen, Lieblingssongs hören
  • Schreibratgeber und Blogs lesen
  • Am eigenen Selbstwertgefühl arbeiten: Dafür gibt es sogar Kurse!
  • Ein neues Genre oder eine andere Perspektive ausprobieren
  • Kleinere Schreibübungen machen
  • Spaziergänge machen
  • Den Schreibort wechseln: Café, Bibliothek, Parkbank

Was eigentlich immer hilft: Kommunikation. Du musst mit deinen Problemen nicht alleine sein. Tausch dich aus, teil dich mit – irgendwer hat immer Zeit und kann dir zuhören. Manchmal muss man sich einfach Frust und Zweifel von der Seele reden, um wieder neue Kraft zu schöpfen.

Schreibblockaden sind vielleicht ein Mythos, aber das Gefühl aus irgendeinem Grund nicht schreiben zu können ist für manche Autoren aber sehr real. Selbst wenn du das so noch nie erlebt hast (ich bewege mich irgendwo in der Mitte, denke ich) – versuch respektvoll damit umzugehen und nimm es ernst, wenn dir andere davon erzählen.

Lily

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