Vier Buchstaben und eine Sinnkrise

Am Wochenende habe ich – drei Monate früher als erwartet – meinen Roman beendet. Damit habe ich mein wichtigstes Jahresziel schon im September erreicht. Geplant war für den Dezember, kurz nach dem NaNoWriMo (National Novel Writing Month), den ich eigentlich noch für den Roman nutzen wollte. Jetzt kam allerdings alles anders. Ich war einfach schneller als erwartet. Darüber sollte ich mich jetzt wohl freuen.

Aber irgendwie will sich die Euphorie noch nicht so recht einstellen. Gestern war meine Laune zeitweise sogar richtig unterirdisch. Ein ganzer Sonntag ohne eine einzige Zeile. Das gab es dieses Jahr nur, wenn ich wegen Krankheit nicht schreiben konnte. Unglaublich eigentlich, wenn ich jetzt darüber nachdenke. So viel Zeit, die ich investiert habe. So viele Nerven. Und ich bereue nicht eine einzige verdammte Sekunde, auch wenn ich mich nach der Arbeit oft kaputt vor den Rechner geschleppt habe.

Vier bis acht Wochen Pause sind angesagt

Damit ist jetzt erstmal Schluss. Vier bis acht Wochen möchte ich verstreichen lassen, bevor ich mich der ersten Überarbeitung meines Manuskripts widme. Objektiv betrachtet ist das keine lange Zeit.

Tja – was soll ich sagen? Objektiv, am Arsch. Ich will zurück an meinen Schreibtisch und den zweiten Band schreiben. Ich vermisse mein Manuskript und meine Charaktere.

Natürlich ist klar: Das geht nicht. Für die Überarbeitung brauche ich Abstand zu meiner Arbeit. Den habe ich zu diesem Zeitpunkt (noch) nicht. Es bestünde als die Gefahr, dass ich Fehler entweder übersehe oder so kritisch bin, dass ich sogar die guten Stellen streiche. Also werde ich schweren Herzens noch etwas Zeit verstreichen lassen, bevor ich eine Welt abtauche.

Was fange ich jetzt mit meiner Zeit an?

Theoretisch könnte ich den nächsten Roman schreiben. Ideen habe ich genug, auch wenn ich zugeben muss, dass ich nicht wie manche Autoren bin, die einen (angeblich…) unerschöpflichen Vorrat besitzen. Trotzdem wäre genug Material für ein neues Buch da. Allerdings reizt mich diese Vorstellung gerade überhaupt nicht. Mein Kopf ist noch mit dem Manuskript beschäftigt, das ich eben erst beendet habe. Keine guten Voraussetzungen für einen neuen Roman.

Lieber würde ich den zweiten Band schreiben, doch auch davor scheue ich mich. Wie soll ich die nötige Distanz gewinnen, wenn ich mich doch die ganze Zeit mit derselben Welt und ihren Figuren verbringe? Falls du schon eine Reihe geschrieben hast: Wie handhabst du das?

Wie ich die kommenden Wochen nutzen werde

Irgendwie weiß ich gerade noch gar nichts mit mir anzufangen. Ich habe schon ein bisschen Material für die Überarbeitung zusammengetragen (dazu folgen sicher noch einige Artikel, den 10-Punkte-Text-ÜV von Andreas Eschbach finde ich ganz hilfreich) und werde versuchen mich da weiterzubilden.

So ist das wohl, wenn man für etwas brennt. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich eine Leidenschaft habe. In den nächsten Wochen werde ich versuchen an meinem Still zu arbeiten, Schreibübungen machen und meinen Wortschatz erweitern. Irgendwie werde ich das schon schaffen. Es sind ja nur ein paar Wochen.

Hast Du Überarbeitungstipps für mich? Wie lange wartest du bis du dich wieder an dein Manuskript setzt?

Hab es fein!

Lily

Kommentare wurden für diesen Beitrag deaktiviert.