Was ist eigentlich eine Schreibblockade?

Sie ist berüchtigt und trotzdem glauben viele Autoren nicht an ihre Existenz: Die Schreibblockade. Kaum ein Wort begegnet mir im Zusammenhang mit dem Schreiben so häufig wie dieses.  Es beschreibt den Zustand, in dem sich jemand befindet, der einfach nicht schreiben kann. Dabei sitzt man oft stundenlang vor dem leeren Blatt und kommt gedanklich keinen Schritt weiter. In diesem Zusammenhang wird auch von einer Schreibhemmung gesprochen.

Betroffene Autoren fühlen sich dabei, verständlicherweise, meist ziemlich mies. Irgendwie klingt es ja auch bescheuert, schließlich verfügt man ja noch immer über zwei gesunde Hände und eigentlich müsste man damit in der Lage sein einen Text zu verfassen. Schließlich hat das vorher auch immer geklappt. An dieser Stelle ein kleiner Spoiler: Nein, muss man nicht.

Weshalb Vermeidungsverhalten nicht hilft

Oft flüchten sich Autoren, die unter einer Schreibblockade leiden (und leiden ist hier genau das richtige Wort), dann in Vermeidungshandlungen. Plötzlich ist alles wichtiger als das Schreiben. Du kennst das vielleicht von Hausarbeiten aus der Schule oder der Uni: Selbst Putzen erscheint auf einmal furchtbar attraktiv. Das Vermeidung nicht besonders hilfreich ist, kannst Du dir wahrscheinlich denken. Damit schiebst Du die Auseinandersetzung mit dem Problem bloß auf einen späteren Zeitpunkt.

Ob auf Buchmessen oder auf Barcamps – fast immer bietet irgendwo irgendjemand einen Workshop zur Bekämpfung von Schreibblockaden an.Schreibblockaden: "Ich glaube, ich habe eine Schreibblockade..." "Quatsch, du bist einfach nur faul!"

Aber wie kommt es dann, dass regelmäßig behauptet wird, so was wie eine Blockade beim Schreiben gäbe es eigentlich gar nicht? Vielleicht, weil viele Autoren das Glück haben, niemals an einen Punkt gekommen zu sein, an dem sie ernsthaft nicht schreiben konnten. Das kann unterschiedliche Gründe haben. Manche Autoren greifen beispielsweise instinktiv zu den Strategien, die eine Schreibblockade gar nicht erst entstehen lassen.

Das Gefühl, etwas nicht tun zu können, obwohl man es möchte, kann unglaublich quälend sein.

Ich bekomme zugegeben immer Bauchschmerzen, wenn ich höre, wie jemand die Existenz von Schreibblockaden kategorisch ausschließt. Für Betroffene ist das einfach unglaublich hart. Denn das Gefühl, etwas nicht tun zu können, obwohl man es möchte, kann unglaublich quälend sein.

Eine Schreibblockade ist ein Symptom

Das hat nichts mit Faulheit zu tun. Dieser Zustand kann schlimmstenfalls krankheitsbedingt sein – ja, auch Depressionen und andere psychische Erkrankungen können für eine Mauer im Kopf sorgen. Deshalb ist es umso wichtiger möglichst rasch die Ursache für eine Blockade zu finden. Nicht immer ist das Schreiben dabei der entscheidende Faktor. Ich betrachte eine Schreibblockade weniger als einen Zustand und mehr als ein Symptom. Nämlich dafür, dass irgendetwas ganz und gar nicht stimmt. Das kann emotional- oder krankheitsbedingt sein. Klar, manchmal liegt es auch einfach am aktuellen Projekt, dann lässt sich das Problem am schnellsten beheben.

Herauszufinden woran es hakt, ist unumgänglich – nur so kann man aktiv etwas gegen eine Schreibblockade unternehmen.

Eine gute Möglichkeit ist folgende: Stell dir selbst Fragen zu deinem Schreiben, deinem Schreibprozess (auch die unangenehmen!) und deinem Gemütszustand. Versuche sie so ehrlich wie möglich zu beantworten. Einige Fragen, die mir in der Vergangenheit geholfen haben, habe ich für dich in einer Übersicht zusammengetragen. Das müssen nicht die richtigen Fragen für dich sein, aber vielleicht helfen sie dir, deine Fragen zu finden.

Wie denkst Du über Schreibblockaden?

Lily

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  • Ich habe meiner Schreibblockade einen Namen gegeben. Klingt eigenartig, aber mir hilft es. Irgendwie. „Scarlett“ taucht auf, wenn ich – wie du in deiner Fragensammlung gut zusammengefasst hast – geistig oder emotional einfach überlastet bin. Das Leben fordert manchmal.
    Was mir dann hilft, ist mich zu fragen, wieso ich mit dem Schreiben angefangen habe. Ich war damals bekennender Realitätsflüchtling. Das Beste am Fantasy-Genre ist ja (für mich), dass man sich seine Welt plötzlich spannend und ausgefallen erschaffen kann. Ich habe mich selbst mit dem Schreiben abgelenkt, motiviert, habe reale Probleme auf Plot-Ebene reflektiert. Das ist mittlerweile mehr als 10 Jahre her, seit ich aktiv schreibe.
    Und wenn Scarlett heute auftaucht, dann kann ich sie 1. mit Namen ansprechen, 2. sie fragen, was sie denn will, und 3. schreibe ich einfach mal den Gedankenstrom auf, der mir dann dazu so einfällt.
    Klingt jetzt sehr nach Selbstgesprächen, aber irgendwie ist das eine Art von Schreibübung. Und mein eigener Expertenrat, von mir für mich.
    Und kein Selbstvertrauen, mangelnde Zeitkapazitäten (derzeit Job und Diss schreiben bzw. erarbeiten), fehlende Ideen für Plotlöcher, Perfektionismus (mein größter Fehler) begegnen immer wieder. Und ich habe bereits ein Buch über einen kleinen Verlag veröffentlicht. Zwar nur on-demand und es gilt in meiner Auffassung mittlerweile als „Jugendsünde“ (nicht abwertend gemeint), aber das ist mehr als viele Schreiberlinge so geschafft haben.
    Trotzdem fällt es mir manchmal schwer. Ich komme aus dem Rhythmus. Aber das darf man.
    Wie du richtig sagst – manchmal muss Pause eben einfach sein. Und das Notizbuch und den Stift hab ich einfach immer dabei. Man weiß ja nie, was kommt und geht an Einfällen. Und das hilft auch ungemein, wenn man sich mal von der Schreibblockade bedroht fühlt.

    Dein Artikel ist wichtig. Es kann wirklich belasten, wenn man etwas nicht machen kann, was man aber möchte und zu dem man eigentlich fähig ist.
    Danke, dass du das angesprochen hast!

    • Liebe Astrid,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Deine Herangehensweise finde ich spannend und könnte mir vorstellen, dass das auch für andere hilfreich ist. Klingt gar nicht so sehr nach Selbstgesprächen, eher sehr reflektiert. Gut, dass du mit Scarlett einen Weg gefunden hast mit einer Blockade umzugehen und auch anzunehmen, wenn es mal nicht klappt (aus diversen Gründen). Ich glaube, das ist etwas, was vielen Autoren fehlt — was wiederum oft zu Schreibblockaden führt.

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